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Kompetenzorientierte Lernziele der 11. Jahrgangsstufe

Im Mittelpunkt stehen der Erwerb grundlegender psychologischer und pädagogischer Kenntnisse und deren kompetenzorientierte Anwendung auf Beispiele aus der pädagogischen Praxis. Dabei werden vor allem auch die Erfahrungen aus der fachpraktischen Ausbildung (Praktikumsphase während der 11. Jahrgangsstufe) integriert.

Lernziele: (bitte aufklappen)

  • Einführung in die Pädagogik/Psychologie als Wissenschaft
  • Merkmale von wissenschaftlicher Psychologie im Vergleich zur Alltagstheorie
  • Gegenstand der Psychologie: Erleben, Verhalten und Handeln
  • Gegenstand der Pädagogik: Erziehungspraxis und –theorie
  • Prinzipien wissenschaftlichen Beschreibens und Erklärens

  • Überblick über psychische Funktionen, Fähigkeiten (Kognition) und Kräfte (Emotion und Motivation)
  • Wahrnehmung: Begriff, dreistufiges Modell des Wahrnehmungsprozesses nach Zimbardo
  • Wahrnehmung als Konstruktionsprozess: biologische, psychologische und soziokulturelle Einflussfaktoren
  • Gedächtnis: Begriff, Modell nach Markowitsch (Differenzierung des Kurzzeitgedächtnisses und der Langzeitspeicher sowie der Kontrollprozesse unter Berücksichtigung grundlegender neurobiologischer Aussagen)
  • Wissenserwerb, z. B. elaboriertes Lernen, Lernstrategien
  • Emotion: Begriff, Komponenten, Angst als Beispiel für Emotion, Emotionsregulation
  • Motivation: Motive, Motivationsprozess (Rubikon-Modell)
  • Wechselwirkungen von Kognition, Emotion und Motivation am Beispiel des Zürcher-Ressourcen-Modells nach Storch/Krause (ZRM)

  • Merkmale von Erziehung, wie z. B. soziale Beziehung, emotionaler Bezug zwischen Pädagoge und Edukand, Fremdlernverhältnis, bewusste Zielvorgaben
  • Merkmale von Bildung, wie z. B. sozialer Prozess, mündiger Mensch, Selbst- und Fremdlernprozesse, individuelle Zielsetzungen
  • übergreifendes Erziehungs- und Bildungsziel: Selbst-, Sach- und Sozialkompetenz und Möglichkeiten der Umsetzung durch Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen
  • Dimensionen von Erziehungs- und Führungsstilen (autoritär
  • laissez-faire sozialintegrativ) nach Tausch/Tausch
  • Aufgaben und Ziele der Erziehungs- und Bildungsinstitution aus dem Bereich Kindertageseinrichtung (Förderbereiche laut Bayerischem Bildungs- und Erziehungsplan)
  • Problemlagen in der gewählten Erziehungs- und Bildungsinstitution

  • Lernen: Begriffsklärung, Abgrenzung von Reifung und anderen Einflussfaktoren
  • klassisches Konditionieren: Konditionierungsprozess und weitere relevante Begriffe (Reizgeneralisierung, Löschung, systematische Desensibilisierung und Gegenkonditionierung, Konditionierung erster und höherer Ordnung)
  • operantes Konditionieren: Versuch und Irrtum (Lernbegriff und Lerngesetze nach Thorndike)
  • Verstärkungslernen nach Skinner (grundlegende Annahmen, Kontingenzschema, Verstärkerarten, Relativität von Verstärkern, kontinuierlicher und intermittierender Einsatz der Verstärkung, Löschung, differenzielle Verstärkung, Shaping)
  • sozialkognitive Theorie (nach Bandura u. a.): Phasen und Teilprozesse, Effekte
  • Selbstwirksamkeit nach Bandura: Erwartungshaltungen, Selbstbewertung, Selbstregulation
  • kognitionspsychologische Betrachtung des Lernens: kognitive Wende (Leitgedanken des Kognitivismus)
  • Medien als Einflussfaktor für Lernprozesse auf der Basis einer Lerntheorie


Kompetenzorientierte Lernziele der 12. Jahrgangsstufe:

Aufbauend auf den Fachkenntnissen der 11. Jahrgangsstufe werden die Fachkenntnisse systematisch erweitert. Neues und bereits erworbenes Wissen wird in zunehmend komplexeren Fallbeispielen aus der sozialpädagogischen Praxis oder der aktuellen Lebenswirklichkeit der Schüler angewandt. Erforderliche Fähigkeiten sind hierfür das Denken in fachlich fundierten und zusammenhängenden Bezügen, die Bereitschaft zur Reflexion und das problemlösende Denken.

Lernziele: (bitte aufklappen)

  • Merkmale des Begriffs Entwicklung
  • Bedingungen der Entwicklung: Anlage, Umwelt, Selbststeuerung und deren Wechselwirkungsprozesse
  • psychoanalytische Entwicklungstheorie nach Freud: topografisches Modell, Trieblehre, psychosexuelle und Persönlichkeitsentwicklung (Instanzenmodell), Abwehr als Ich-Funktion zur Bewältigung von Angst (Verdrängung, Projektion, Fixierung, Regression, Identifikation)
  • kritische Würdigung des Erklärungswertes der psychoanalytischen Theorie, z. B. mangelnde empirische Überprüfbarkeit der psychosexuellen Entwicklung
  • die sozialemotionale Entwicklung: Bindungsbegriff und Phasen der Bindungsentwicklung, Bindungstypologie, primäre und sekundäre Bindungsbeziehungen (Jugend und Erwachsenenalter nach Ahnert), frühpädagogische Überlegungen zur Förderung gelungener Bindung
  • typische Entwicklungsanforderungen in der Lebensspanne (Baltes) aus einem der folgenden Bereiche: Jugend, ca. 11 bis 18 Jahre (z. B. Herausbildung der sozialen Fähigkeiten des moralischen Urteilens in den Kontexten von Freundeskreis und Bildungsinstitutionen), frühes Erwachsenenalter, ca. 18 bis 28 Jahre (z. B. Entfaltung der personalen Struktur von Selbst und Persönlichkeit)
  • Vulnerabilität und Resilienz: Schutzfaktoren, wie z. B. soziale Unterstützung, positive Peerkontakte, Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeitserwartungen

  • Begriff Persönlichkeitspsychologie, zentrale Merkmale des Begriffs Persönlichkeit (Stabilität, Veränderbarkeit, Einzigartigkeit)
  • Persönlichkeitsstruktur: Persönlichkeitseigenschaften und Verhaltensdispositionen („Big Five“ nach Costa, Mc Crae, Auszüge aus Persönlichkeitsinventaren)
  • personenzentrierte Theorie nach Rogers: Aktualisierungstendenz, Selbstaktualisierung, organismischer Bewertungsprozess, Bewertungsbedingungen, Selbst, Selbstkonzept (Real- und Idealselbst), Kongruenzen und Inkongruenzen (zwischen Selbstkonzept und Erfahrung sowie Ideal- und Realselbst), Wahrnehmungsverzerrung und Wahrnehmungsverleugnung, Selbstachtung
  • sozialkognitive Theorie nach Bandura: Überzeugungen, Selbstwirksamkeits-, Ergebnis- und Kompetenzerwartungen, Selbstregulation (Self-Evaluative- und Self-Efficacy-Mechanismen)
  • Identitätsfindung: Begriff Identität, Identitätsmodell nach Marcia (diffuse Identität, übernommene Identität, Moratorium, erarbeitete Identität) an einem Beispiel aus dem Jugendalter, wie z. B. sexuelle, ethnische oder berufliche Identität

  • Aufgabenbereiche Sozialer Arbeit: Sozialhilfe, Gesundheits- und Altenhilfe, Kinder- und Jugendhilfe
  • verhaltensorientiertes Konzept im Sinne der Einzelhilfe auf der Grundlage einer geeigneten Lerntheorie
  • Schritte des Vorgehens: Analyse, Planung, Verhaltensmodifikation, Evaluation
  • Annahmen und Begriffe des Life Models nach Germain/Gitterman: Ökologie, Transaktion, Anpassung, Habitat, Nische, Lebens-Stress, Coping, Ressourcen
  • lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Thiersch: Begriff Lebenswelt, Dimensionen der Analyse der Lebenswelt (erfahrene Zeit, erfahrener Raum, soziale Bezüge, Bewältigungsaufgaben, Hilfe zur Selbsthilfe, gesellschaftliche Bedingungen, Struktur- und Handlungsmaximen Sozialer Arbeit (Prävention, Alltagsnähe, Regionalisierung/Dezentralisierung, Integration, Partizipation, Vernetzung))

  • Begriffe soziale Kommunikation und soziale Interaktion
  • Organon-Modell nach Bühler
  • Grundlagen der Kommunikationstheorie nach Watzlawick und Mitarbeitern
  • Entstehen von Kommunikationsstörungen beim: 1. Axiom (Abweisung, widerwillige Annahme, Entwertung, Symptom als Kommunikation)
  • 2. Axiom (Uneinigkeit auf der Inhalts-, oder Beziehungsebene, Konfusion zwischen den beiden Aspekten, unterschiedliche Ich- und Du-Definitionen, Beziehungsblindheit) 3. Axiom (widersprüchliche Interpunktion von Ereignisabfolgen, selbsterfüllende Prophezeiung, Ausüben von Druck und Zwang) 4. Axiom (Mehrdeutigkeit von digitaler und analoger Modalität, Überwiegen einer Modalität, Nicht-Übereinstimmung von digitaler und analoger Modalität) 5. Axiom (symmetrische Eskalation, starre Komplementarität)
  • gelungene Kommunikation auf der Grundlage der Kommunikationstheorie nach Watzlawick und Mitarbeitern
  • Kommunikationstechniken: Metakommunikation, Ich-Botschaften, aktives Zuhören, Feedback
  • Besonderheiten und Missverständnisse in der Kommunikation aufgrund von kulturspezifischen Unterschieden, wie z. B. Werte und Normen (u. a. Gleichbehandlung der Frau), sprachliche Besonderheiten (unterschiedliche verbale und nonverbale Codes), Aussehen, Kultur in Sprache (u. a. Begrüßungsrituale, Körperkontakt, Nähe und Distanz)
  • Besonderheiten des Kommunikationsverlaufs bei der Nutzung von digitalen Medien, z. B. von Internetforen, sozialen Netzwerken, Chatrooms
  • mögliche Gefährdungen, z. B. Datenmissbrauch, Missbrauch der Anonymität (Cybermobbing), Vernachlässigen realer Beziehungen


Notwendiges Vorwissen:

Vorwissen ist generell nicht erforderlich. Für alle Schüler*innen ist dieses Fach neu und die Fachinhalte sind dadurch in der Regel auch nicht bekannt. (Vorteilhaft ist jedoch eine gute sprachliche Ausdrucksfähigkeit, da komplexe Inhalte zusammenhängend dargestellt, begründet und erläutert werden müssen.)

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